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Apple vs. Samsung: Der aktuelle Stand nach drei Prozesstagen - "Fight Club"

News vom 06.08.2012 um 07:19 Uhr von don_giovanni

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    Der größte Patentstreit-Prozess in der Geschichte des Smartphones hat seine ersten drei Prozesstage erlebt. Zuletzt hatten wir euch von der Beweisaufnahme berichtet, in deren Zuge die Vorsitzende Richterin Lucy Koh wichtige Beweise der Beklagten (Samsung) nicht zur Verhandlung zugelassen hatte und sich dadurch zumindest Fragen ob ihrer Unvoreingenommenheit gefallen lassen muss. Samsung hatte daraufhin die Beweise mit einem Statement an die Presse gegeben - eine Unmutsäußerung, die zwar formal falsch, aber ethisch durchaus nachvollziehbar ist. Es geht in diesem Prozess nicht allein um Apple, Samsung, das iPhone oder 2.500.000.000 USD geforderten Schadensersatz - es geht um die Durchsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit amerikanisches Patentrechtes und um die Freiheit der Smartphone- und Tablet-Hersteller, ihre Geräte unter anderem mit abgerundeten Ecken zu versehen, ohne dafür an Apple Schadenersatz oder Lizenzgebühren zahlen zu müssen.

    In den ersten Tagen der Verhandlung lag das wahrgenommene Hauptaugenmerk der beiden Kontrahenten auf Selbstdarstellung und Diffamierung der Gegenseite. Am dritten Prozesstag ging es zumindest etwas sachlicher zu - man machte sich sachlich die Hölle heiß. Phil Schiller, Vizepräsident von Apple für den Bereich Marketing, erklärte die Entwicklung des iPhones von 2004 an. Dabei nahm er Bezug auf die Entwicklung des Gerätes selbst, sowie auf die Werbestrategie und die Ziele von Apple bei der Etablierung dieses Smartphones. "We realized at the time that some phones weren't any good as entertainment devices", daran wollte man etwas ändern. Der Erfolg gab dem Unternehmen Recht: "Each new generation sold approximately equal to all previous generations combined." Dabei sei für das Marketing "Das Gerät als Held", bzw. "Produkt als Marke" die zentrale Message gewesen.
    (Hierzu findet ihr unten zwei Statistiken mit Apples Werbeaufwendungen und den Geräte-Absätzen.)

    Einer von Samsungs Anwälte war an der Reihe und legte Schiller ein iPhone und ein angeblich davon kopierte Samsung-Gerät vor. Die Frage an den stellvertretenden Marketingsleiter lautete: Könnten Kunden durch diese beiden Geräte verwirrt werden? Antwort von Schiller: Manche könnten es durchaus. Zusätzlich betonte Schiller erneut die magischen Worte, die Apple im Prozess zu einem Mantra erhoben zu haben scheint: "Samsung ripped off Apple". "Ripped off" scheint der geflügelte Begriff des Prozesses werden zu wollen. Ein bitterer Moment für die Samsung-Fraktion ergab sich, als einer der Firmenanwälte zwei der firmeneigenen Smartphones verwechselte, als er sie Schiller zum Beweis vorlegte. Dadurch hatte Apple natürlich die Möglichkeit zu einem guten Konter.

    Ein weiterer Zeuge von Apple, Scott Forstall - seines Zeichens Vize Präsident für die Entwicklung von iOS - berichtete ausführlich von der Entwicklung des iPhones: Von der strengen Geheimhaltung, davon, dass Steve Jobs nur firmeninterne Designer bei dem Projekt dabei haben wollte. Forstall habe die Ausgewählten instruiert: "We're starting a new project. It's so secret I can't even tell you what that project is. I can't tell you who you will work for... What I can tell you is that if you accept this project you... will work nights, you will work weekends, probably for a number of years." Apple habe zudem Codenamen für seine Projekte benutzt. "Lila" (engl. purple) war der Name für das iPhone. Die Entwicklung von "Purple" war so gehemin, dass sie innerhalb einer dauerhaft gesicherten Einrichtung stattfand - von den Mitarbeitern bald als der "Fight Club" bezeichnet und auch mit einem solchen Schild an der Tür versehen. Wir erinnern uns: "Ihr verliert kein Wort über den Fight Club." Gleiches galt für das iPhone.

    Samsung entschied sich daraufhin für einen Frontalangriff und führte dem Gericht eine Anzahl von Emails zum Beweis vor: Ziel dieser Aktion war es, die Gegenseite als Freibeuter der Ideen anderer darzustellen, anstatt dass man eigene, einzigartige Designs entwerfe. Ein Beispiel war ein Email-Verlauf zum Samsung SGH-E910, in welchem Steve Jobs Jony Ive erklärt, ein Design-Element dieses Gerätes "may be our answer".

    Das Ende des Prozesstages wurde durch die Aussage von Justin Denison, dem Leiter der Marketingabteilung von Samsung Amerika, eingeleitet. Hier ging nun seinerseits Apple zum Angriff über und zeigte Dokumente (siehe unten), in denen Samsung das Galaxy S mit dem iPhone vergleicht und man von den Designern verlangt: "Remove a feeling that iPhone's menu icons are copied by differentiating design". Samsungs Anwälte konnten jedoch im Verhör von Denison punkten, als der Manager stichhaltig erklären konnte, warum gewisse Designmerkmale wie die abgerundeten Ecken mehr einen praktischen Nutzen denn eine ästhetische Innovation seien: Zum leichteren Ziehen aus der Tasche und zum besseren Handgefühl eignet sich nun einmal solch eine Form besser. Könne man eine praktische Gegebenheit patentieren?!

    Es bleibt also spannend. Die beiden Seite werden verbissen kämpfen, denn es geht für beide um eine nicht unerhebliche Summe Geld, um bei weitem mehr Prestige und um eine noch viel größere Menge an Freiheit: Bei Apple für sich selbst, bei Samsung für alle anderen.

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    Diskussion zum Beitrag
    (Im Forum "Samsung Allgemein")

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    Quellen: Apple vs. Samsung: complete coverage of tech's biggest trial | The Verge
    Schiller, Forstall, and 'Fight Club': day three of Apple v. Samsung | The Verge
     
    don_giovanni, 06.08.2012
    B.D.1:, marco™, stegerl und eine weitere Person haben sich bedankt.

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