Zeitgeschehen: ... und dann war auf einmal das Smartphone wieder wichtiger

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don_giovanni

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In den letzten viereinhalb Jahren in denen ich nun schon hier für euch die News schreibe, habe ich mich immer auch zum aktuellen Smartphone-Dauernutzung und der einem Tischset mit Smartphone-Garage als Gegenmittel für rastlose Dauer-Daddler um die Ecke kommen; für soetwas muss ein Verhalten schon offenkundig und allgemeingültig geworden sein. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Zahlreiche Leser haben sich nach dem eingangs erwähnten Artikel gemeldet und berichtet, dass sie sich reflektiert mit ihrer Smartphone-Nutzung auseinandersetzen und z.B. in ihren Familien Rituale der kollektiven "Offline-Zeiten" pflegen, beispielsweise während gemeinsamer Aktivitäten.

Aber wie viele Menschen ziehen das wirklich so durch? Und wie viele Menschen stehen denen entgegen, die sich vom ewigen "Pling, Pling" der Benachrichtigungen (nicht nur metaphorisch) in den Wahnsinn treiben lassen?! Wir leben im 21. Jahrhundert bekanntlich in einer Zeit, in der Technik Fluch und Segen zugleich sein können: Natürlich ist es toll, ständig und überall Informationen aus aller Welt innerhalb von Sekunden(-bruchteilen) abrufen zu können, sich global zu vernetzen und für die meisten Dinge in diesem Bereich noch nicht einmal Geld zu bezahlen. Auf der anderen Seite beschleunigt aber unsere Gesellschaft unter anderem dadurch in vielen Fällen auch Alltagstätigkeiten und erwartet Google-Geschwindigkeit für Prozesse, die einfach einen gemächlicheren Weg gehen (und oft auch gehen "müssen", um gesund zu bleiben). Ungeduld war schon immer eine schlechte Eigenschaft vieler Menschen, doch scheint die Verwöhnung in Sachen Geschwindigkeit - welche wir der fortschreitenden Technisierung verdanken - sich für viele Leute in ein dauerndes Hamsterrad zu verwandeln, in dem man sich immer nur noch im Dauerlauf bewegt.

Dadurch kommt einem selbst schnelles Internet bald endlos langsam vor, das sehnlichst erwartete DHL Paket braucht unverschämterweise einmal zwei oder drei (oder gar vier) Tage anstatt nur einem, ein Verkäufer im Laden kennt tatsächlich eine Antwort auf unsere Frage nicht ... Argh!!! Somit kann Ungeduld zu einem wirklich unangenehmen Begleiter werden, den man nicht einmal bewusst wahrnimmt oder ihn gar kommen sieht. Dagegen hilft es beispielsweise, wenn man sich aktiv daran erinnert, dass "schnell" nicht immer "besser" ist: Ungeduld führt fast zwangsläufig zur Frustration, welche ja im Grundsatz nichts anderes ist als eine Enttäuschung. Ent-täuschung - beobachtet bitte einmal dieses Wort; eine Täuschung wurde aufgehoben. Wir haben uns selbst über einen Umstand getäuscht und sind sauer weil es nicht so gekommen ist, wie wir es eigentlich gern gehabt hätten. Wenn man sich dies einmal vor Augen führt, fällt es beim nächsten Mal vielleicht etwas leichter, eine Enttäuschung zu verdauen - denn wir haben sie uns ja selbst gebaut. Genau wie die Ungeduld, die uns zur Enttäuschung geführt hat.

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Foto: pixabay.com/de/users/RyanMcGuire

Doch es ist nicht nur Ungeduld, die durch den ständigen Umgang mit dem Smartphone und all seinen Vorzügen gefördert wird, es ist vor allem auch schlicht und ergreifend eine (mehr oder minder stark ausgeprägte) Abhängigkeit vom Smartphone selbst: Das geht bei manchen Menschen soweit, dass sie eine s.g. Nomophobie entwickeln - die Angst davor, kein Smartphone dabei zu haben, nicht erreichbar zu sein und nicht am digitalen Leben teilhaben zu können. In Abstufungen (oder auch in "netten" Varianten noch dazu) gibt es dann z.B. das reflexartige Greifen in die Tasche, ob das Smartphone noch da ist, oder den "Phantom-Vibrierer" - das Zucken einer Sehne im Oberschenkel, das sich anfühlt, als ob man soeben eine Message bekommen hätte. Geist und Körper werden mehr und mehr angebunden - wie sehr, bemerken wir oft gar nicht. Als ich kürzlich meinen Sommerurlaub an der Ostsee verbracht habe, war ich vor ein interessantes "Problem" gestellt: Es gab kein stabiles mobiles Internet auf dem privaten Campingplatz, auf dem die Eltern meiner Freundin ihren stationären Wohnwagen stehen haben. Und auch kein WLAN. WTF?!

Bereits im Vorfeld hatte ich mir zwar überlegt, dass ich mit dem Upload der Urlaubsbilder bis nach dem Urlaub warten wollte (um nicht dem Drang nach "Ich-muss-dass-doch-zeitnah-bei-Facebook-posten" zu erliegen), doch wäre dieses Vorgehen schon allein technisch gar nicht machbar gewesen - denn es war einfach kein Netz da! Wenn wir während des Aufenthaltes einmal zwischendurch etwas online nachschauen wollten, mussten wir am besten ein paar Kilometer in den nächsten Ort fahren. Da gab es dann wieder Internet, teilweise sogar LTE - Wuhuuuuu! Doch an diesem Beispiel konnte selbst ich als Verfechter eines möglichst unabhängigen Umgangs mit dem Smartphone erkennen, dass manche unbewussten Impulse durch Smartphone und Social Web einfach bei fast jedem gefördert und immer wieder neu gesetzt werden können - sicher ist man davor nie vollkommen. Zumindest nicht, wenn man überhaupt in irgendeiner Form am Web 2.0 teilnimmt.

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Foto: freepik.com

Wie unschön muss es dann eigentlich für all diejenigen Menschen sein, die sich den Umgang mit ihrem Smartphone nicht reflektiert bewusst machen?! Wenn man sich besonders die jüngeren Menschen ansieht die sich zu zweit oder zu dritt im Café treffen, nur um dann ein paar Minuten später allesamt mit ihren Smartphones zu daddeln anstatt sich zu unterhalten, kann einem leicht anders werden. Doch soetwas sieht man regelmäßig in jedem Ort in Deutschland, Europa oder auch in Asien oder den USA - man ist mobil, man ist online, man ist "dabei" wenn etwas auf der Welt passiert. Warum möchte man eigentlich genau "dabei" sein, wenn irgendetwas bei anderen Leuten passiert? Bei Freunden, Familie oder Bekannten besteht ja immerhin ein auch klassisch vorhandenes soziales Verhältnis, aber warum interessiert es uns, was ein YouTuber erzählt, ein Blogger bloggt oder was dieser Typ mit der Basecap auf Android-Hilfe.de schreibt?!

Der Typ mit der Basecap freut sich natürlich darüber, wenn ihr die News auf Android-Hilfe lest, genau so wie sich der Blogger freut oder der YouTuber. Aber mal ganz ehrlich: Wir besuchen das Web doch nicht deshalb, um anderen Leuten eine Freude zu machen! Es wäre schön wenn es so wäre, aber primär nutzen wir das Internet (und ganz besonders die Social Media) für uns selbst - zum Informationsaustausch, zum Medienkonsum und natürlich auch in nicht unerheblichem Maße zur Selbstdarstellung. So funktioniert die ganze Sache im 21. Jahrhundert nun einmal, das wird sich wohl auch nicht mehr ändern. WAS wir dagegen aber tatsächlich ÄNDERN können ist, wie wir eine Trennlinie ziehen zwischen reale Welt und virtuelle Welt bzw. Internet. Denn ob man es nun glaubt oder nicht: Real ist das, wo es weh tut, wenn man eins auf die Nase bekommt! Und nicht das, wo der Wii-Controller vibriert.

Damit möchte ich sagen: Niemand will das Smartphone an sich verteufeln, es ist nämlich nur ein Werkzeug. Derjenige ist wichtig, der mit dem Werkzeug umgeht - denn er (oder sie) entscheidet über dessen Verwendungszweck. Somit liegt es nämlich ganz und gar in eurer Hand, inwieweit ihr euch von eurem Smartphone - oder eurer eigenen Ungeduld - diktieren lasst. Gar kein Smartphone zu verwenden kann in der heutigen Zeit auch krampfig sein, aber das verlangt ja keiner; sinnvoller wäre es jedoch, sich dessen bewusst zu sein, was um einen herum passiert, wenn es passiert. Wenn dann neben dem echten Leben, dem Alltag, dem Genießen von Urlaub oder was auch immer, ja, wenn dann noch Zeit ist und Langeweile aufkommt, dann kann man immer noch zum Smartphone greifen und Daddeln. Aber ich verspreche euch eines: Ihr werdet garantiert nicht auf eurem Totenbett liegen und euch sagen, "Hätte ich doch nur mehr mit meinem Mobiltelefon gespielt". Denn darauf kommt es am Lebensende definitiv nicht an.

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Foto: entrepreneur.com

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(im Forum "Plauderecke")

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Quellen:
Android-Hilfe.de
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